Mountainbiken im Hohen Atlas (23. März bis 6. April)

(Sa, 23.3.) Treffpunkt unserer Radlergruppe am Flughafen MUC – e n d l i c h !!!... nach tagelangem Kopfzerbrechen und detailliertesten Planungen darüber wie eine zweckmäßige (und wegen des 20 Kilo-Gepäcklimits auf dem Minimumprinzip basierende!) Tourenausrüstung  inkl. Mountainbikes für unser Ziel, den Hohen Atlas in Marroko, auszusehen hat. (Maria) 

Start, Enteisung und Abflug der KLM von MUC nach Amsterdam, zwei Mountainbikes bleiben wegen Platzmangel an Bord unbehütet auf der Rollbahn liegen. (Christiane)

Nach verspäteter Ankunft in Casablanca, liebevolle Begrüßung durch unseren Führer Schorsch und Clemens und einer Nacht im Eukalyptushain (So, 24.3.) geht’s auf nach Marrakech, ins Reich des frisch gepressten Orangensaftes, Besichtigung des Basar, der Medersa und ein sehr leckeres Abendessen mit Trommeln und Geschichtenerzählern runden einen Tag im Reich von 1001 Nacht ab. (Mo, 25.3.) Nach ausgiebigem Frühstück im Terrassencafe wo wir die (noch) strahlende afrikanische Sonne genießen, entscheiden wir uns bald für die Weiterreise und den damit verbundenen Fahrradkauf, da die Räder aus München nach einem 24sündigen Aufenthalt im Bombenkeller am MUC erst den Zwischenstopp Frankfurt erreicht haben. Für 1100.- DH haben wir „21Speed Dragon“ käuflich erworben und sind sehr gespannt auf seine Tauglichkeit. (Marion)

(Di, 26.3.) Nach dem wir unser Zeltlager in der Nähe eines Gazellen - und Mufflonparkes abgebaut haben, besuchen wir das abgelegene Bergdorf Tassaourgani, das wir über eine sehr schmale und steile Piste erreichen. Ein Einheimischer führt uns ins Mufflon-Reservat, aber die Viecher sind wahrscheinlich gerade auf Urlaub in der Karibik. Die herrliche Landschaft in diesem Flusstal, die Bewässerungsanlagen für die steinigen Äcker: wir kommen mit dem Schauen und Staunen nicht nach! Bei der anschließenden Einladung zum Tee, selbstgebackenem Fladenbrot mit Honig und später noch Oliven (alles Eigenbau) überziehen wir fast unseren Zeitplan. Der nächste Höhepunkt ist die Besichtigung von Tin Mal, einer z.T. renovierten Moschee aus dem 12. Jahrhundert. Am Pass Tiz `n Test satteln wir dann trotz des starken Windes unsere Bikes und sausen hinunter in die große Senke zwischen Hohem Atlas und Antiatlas. (Schorsch)

(Mi, 27.3) ?....Besichtigung des Agadir Tasguent....... Ein heftiger Sturm verhindert unsere zweite Radeltour, dafür werden wir durch die roten Felsmurmeln und Napoleonshut in der Nähe unseres Campingplatzes entlohnt. (Do, 28.3.) Am nächsten Tag verzögern Nebel, Kälte und Regen den Beginn unserer Radltour. Die gigantische Felsenschlucht und Palmenhaine des Ait Mansour -Tal locken uns dann endlich aus dem Unimog auf die Drahtesel und bescheren eine traumhafte Fahrt bis zu den Felsgravuren, wo wir unser Nachtlager aufschlagen. (Ralf)

Wir waren dort allerdings nicht die erste humane Spezies ... bereits 5000 ... ääh, oder doch bereits 8000 Jahre vorher (!?), verzierte der u.a. dort lebende „Mensch von Mouillah“ (S. 85) die Felswände mit den Gravures rupestres mit Ochsenmotiven. (Fr, 29.3.) ...Holterdipolter geht’s am nächsten Morgen weiter, ein ausgetrocknetes Flusstal hindurch bis Ait-Herbil, dort ein kurzer Crash mit der ‚Zivilisation’ in Form von Coca Cola bzw. einer mit zuckersüßen Limonade der Geschmackrichtung Karibik. Dann Weiterfahrt mit unserem „Moggel“ nach Qua-Belli, wo wir unsere nächtliche Schlafstätte nahe der Schrebergartenanlage (a la marrocaine!) finden. Ein abendlicher Besuch in Form von zwei örtlichen Dorfverwaltern versprach uns eine Führung durch die dort heimische Flora und Fauna. (Sa, 30.3.) Leider wurde daraus nichts, weil die beiden Herren anscheinend noch nie etwas von deutscher Pünktlichkeit gehört haben... Nach vergeblichem Warten Weiterfahrt nach Tata – während dieser überkommt uns die geniale Idee, einen Abstecher in die Sanddünen der Sahara entlang des Grenzstreifens zu Algerien zu machen. Also, Luft raus aus den Reifen, Helme angeschnallt (Rücksitzbeleger müssen nicht nur seetauglich sein, sondern bei derartigen Erschütterungen auch mit dem Schwerkraftverhalten der Deckenkonstruktion rechnen!)  ... und hinein in die unüberschaubar hohen Dünen. Hier kommt Schorsch erst so richtig in Fahrt und heizt seinem Unimog im steilen Sand kräfig ein. Unser Staunen nimmt kein Ende – am „Zeltplatz“, einem ausgetrocknetem Salzsee inmitten der Wüste erklimmen wir dann einen Sandberg und finden unter uns, vor uns, hinter uns ...Sand, Sand, Ssssaaannd !!! .... (Maria)

(So, 31.3.) Ostersonntag! Ja, Ostern in der Sahara und das mit Regen – wer hätte das gedacht(!?), ein Erlebnis der besonderen Art eben, das wohl nicht jeder erleben darf. Die Ostereier- suche fand daher im „Moggel“ statt und, nachdem alles aufgeräumt an Ort und Stelle war, ging die abenteuerliche Schaukelfahrt in unserem Wüstenschiff über die Dünen hoch und runter rasant weiter. In ständiger Begleitung der (einer, vieler...) Regenwol- ke(n) kamen wir aus der Wüste in Mhamid an. Ein großes Straßendorf, in dem wir uns zum ersten Mal nicht willkommen fühlten, da die Kinder mit Sand nach uns warfen. Hinter Zagora zeigte sich das Draa –Tal mit seinen vielen alten Kashbas trotz wolkenverhangenem Himmel von seiner sehr schönen Seite. Unsere Unterkunft steuerten wir in Tamnougalt an, einem Hotel, Restaurant, Campingplatz mit Beduinenzelt, in welchem wir nächtigen wollten (trotz modrigem Wollgeruch). Doch nach unserem schmackhaften marokkanischen Tajineessen ging ein wahrer Wolkenbruch los, der bis auf weiteres nicht aufhörte. So verbrachten wir eine trockene Nacht im Speisesaal. (Christiane)

(Mo, 1.4.) Ostermontag. An die geplante Weiterfahrt war nicht zu denken, es goss in Strömen, das ganze Draa-Tal war überflutet. Es war das Ereignis – aus Pfützen wurden Seen, Palmen standen plötzlich im Wasser,  und wir ... ratlos und frierend von der Wüste in die Sintflut! Am Nachmittag beschloss Schorsch, den einzig möglichen Weg zu nehmen und in vier Stunden fuhren wir 30 km Richtung Norden, drei abenteuerliche Fluss- und strömende Flussbettdurchquerungen inklusive – aber wir sind dem Wasser entronnen und können am nächsten Tag unsere Reise fortsetzen. (Jandi)

(Di, 2.4.) Und endlich kam der Tag des ersten Passes mit dem Bike: Kurz hinter Nekob starten wir, vorbei an lila Steinen und den Felsen „Madame et Monsieur“ hinauf auf den 2200 m Tisi-n-Tazazert. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass die Götter uns schon wieder zürnen: der Wettergott mit Gewölk und Graupel, der Kameltreibergott mit einem leeren Tank im Unimog auf halber Höhe des Passes. Aber mit „Schorsch wird’s schon richten“ überwanden wir auch diese Hindernisse. Der Pass barg noch einige Souvenirschätze, dann ging’s wieder hinunter ins Tal der Kashbas, wo wir einen Campingplatz mit wunderbarer Aussicht auf den frisch verschneiten Hohen Atlas fanden. (Ralf)

 (Mi 3.4.) Ein Ausflug ins Rosental  fügt der Radstrecke ein weiteres Stück an. Zunächst geht es eine kurze Passstraße hinauf, die einen weiten Blick ins Dadestal freigibt. Wir schwelgen in Pastellfarben, weinrotes Gestein kontrastiert mit dem zartblauen Frühlingshimmel, das immer wieder von beigen, grün schillernden oder schwarzbläulichen Gesteinsschichten durchzogen wird. Die Erosion hat farbige Linien in die Landschaft gezeichnet, die schwungvoll bis gewagt scheinen. Der Pass gibt den Blick ins Mgoun-Tal frei, ein Ort aus roten und beigen Lehmhäusern schmiegt sich so eng an die Talwände, dass er uns erst nach einigen Minuten des Schauens auffällt. Die Abfahrt ins Tal wird von zahlreichen Photostopps unterbrochen, wir können uns nicht satt sehen an diesere farbigen, fremden Landschaft. Auch hier ist nicht klar, ob die Weiterfahrt möglich ist, zu sehr hat der Regen der letzten Tage die die Straßen ausge-waschen und Bächlein in Flüsse verwandelt. Wir probieren es trotzdem und werden mit einer bunten Sandstrecke belohnt, in der Kräuterwiesen (Thymian), Bergziegen und Oleanderbüsche die sonst karge Landschaft beleben. Nach der Tour noch ein Café au lait, und die Welt könnte schöner nicht sein. (Marion)

In der Nähe von Tinerhir (hinter der Müllhalde) schlugen wir diesmal unsere Zelte für eine entsetlich stürmische Nacht auf. (Do,4.4) Nachdem diese mit mehr bzw. weniger Schlaf endlich überstanden war, fuhren wir nach Rich, von dort aus nach Imlichil über einen sich hinziehenden Pass, der uns mal wieder in allen Facetten die unwahrscheinliche Vielfalt, Gegensätzlichkeit und Schönheit der fast unberührten Natur Marokkos demonstrierte und uns nicht aus dem Staunen herauskommen ließ. Der Lac Tislit mit seinem fast stechenden türkisblauen Wasser war nur das Tüpfelchen auf dem „i“, ganz zu schweigen von der abschließenden Radltour. Diese schlängelte sich auf groben Lehmwegen durch das ...tal (NAME!!!?) . Die vielfachen Bachdurchquerungen waren die größte Gaudi. Überglücklich und dankbar für so einen gelungenen Tag richteten wir unser vorletztes Quartier, ein Eimerchen mit frischem Wasser zum Waschen gab uns ein bißchen das Gefühl von Neugeburt. (Christiane)

(Fr, 5.4.) Vorletzter Tag – Aufbruchstimmung ... Rückfahrt nach Casablanca, vor uns liegen noch ca. 300 km. Der erste Teil führt uns noch einmal die ganze Bandbreite an Atlas-eindücken vor Augen: die schneebedeckten 4000er Gipfel des Hohen Atlas, dann das braunviolette Gestein seiner Niederungen, diese übergehend in die Rot- und Brauntöne der Atlashochtäler und dazwischen die grünen fruchtbaren „Oasen“, die ein Leben in diesen Regionen überhaupt erst möglich machen. Trotz Freitag (islamischer Feiertag). Wird allerortens fleißig gewaschen bzw. andernorts Hochzeit gefeiert. Ein kurzer Mittagsstopp und dann geht’s weiter zum letzten Zielpunkt unserer Reise, einem Wäldchen nahe dem Flughafen von Casablanca. Meinerseits verzweifelte Versuche, die in alle Ecken des „Moggels“ verteilten Reiseutensilien in eine Reisetasche und einen Tagesrucksack zu stopfen ( ... und, ach ja,  gab es da nicht sowas wie ein Gewichtslimit zu beachten!? Wundersame Gepäckzunahmen !? - Wer weiß schon, welche Überraschungen dieses orientalisch-mystisch anmutende  Land uns (doch!?) rational denkenden Europäern noch zu bieten hatte. Gemischte Gefühle - ein bißchen Wehmut darüber, dass unsere 14tägige Reise nun tatsächlich dem Ende zuging, dass wir die Zukunft wieder o h n e Schorsch’s phantastische Expeditonsleiterqualitäten und seine starkochverdächtigen Kochkünste den Alltag zu bestreiten haben würden, dass wir diese grandiose Naturlandschaft nun so schnell nicht wieder sehen würden! Auf einstimmigen Wunsch hin verwöhnt uns Schorsch noch einmal mit Spaghetti al Oglio (mit ganz viel Knoblauch, um den Geruchssinn der mitreisenden Fluegzeugpassagiere nicht zu stark zu strapazieren), Wein und Bier. Heeeerrlicchhhh...!

Dann ab ins Zelt, um schon etwas vorzuschlafen für den letzten Reisetag – (So, 6.4.) Weckruf 3.30 Uhr, Zeltabbau in der Dunkelheit, Abschied von Schorsch und Clemens, die ihre Heimreise per Moggel antreten und noch die Fähre an diesem Samstagmorgen erreichen wollen (und es dann auch schaffen ... schließlich will Schorsch ja seine Skilehrerfortbildung nicht verpassen!), dann Frühstück am Flughafen, wo wir unsere letzen Dirham in Kaffee, O-Saft und Croissants investieren. Dann Rückflug (diesmal pünktlich) über Amsterdam nach München. D a s   w a r ´s! Bislama.